#4 Thomas Populorum – Sowohl als auch: Entrepreneurship-Education braucht Bildung & Ausbildung

Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit reif geworden ist. Die Idee, heute ein Unternehmen zu gründen, ist aktueller denn je zuvor. Daher ist jede Schülerin und jeder Schüler eine potentielle Unternehmerin bzw. ein potentieller Unternehmer. Bereit zu sein, Risiko richtig einzuschätzen und eigene Ideen umzusetzen, sind Kernkompetenzen von Entrepreneuren.

 

Ein Entrepreneur im Angestelltenverhältnis – ein Intrapreneur – ist durch seine unternehmerische Denkweise ein sehr begehrter Mitarbeiter. Daher stellt sich die Frage, ob in den Klassen bzw. Hörsälen mehr Bildung oder mehr Ausbildung stattzufinden hat, nicht. Denn nur jemand, der dementsprechend gebildet ist, kann erfolgreiche Geschäftsmodelle umsetzen.

Daher hat in jedem Fach sowohl Bildung als auch Ausbildung zu erfolgen. Unsere Aufgabe als Lehrkräfte ist es, exemplarische Beispiel zu finden, die bilden, jedoch auch derzeitige und mögliche zukünftige Lebenssituationen unserer Schüler abbilden.

Wenn im Deutsch-Unterricht klassische Literatur besprochen wird, dann werden viele dies dem Bereich der Bildung zuordnen. Andererseits ist die klassische Literatur eine Inspirationsquelle für Designer und somit Ausbildung. Genauso ist das Bewerbungsschreiben dem Bereich Ausbildung zuzuordnen. Das heißt, in jedem Fach kann sowohl Bildung wie auch Ausbildung und somit Entrepreneurship-Education stattfinden.

Ob der Bereich Bildung oder Ausbildung überwiegt, hängt vom Schultyp ab, ob eine BMHS oder eine AHS gewählt wird. Genauso hat in den Hörsälen Entrepreneurship-Education stattzufinden. Jeder Techniker, jeder Arzt oder Therapeut ist ein möglicher zukünftiger Unternehmer. Fachwissen allein reicht nicht, um erfolgreich zu sein, unternehmerische Denkweise gehört genauso dazu.

Uns Lebensabschnittsbegleiter kommt daher eine ganz wichtige gesellschaftliche Rolle zu. Alle Entrepreneure zeichnet zwei Eigenschaften aus: Wissbegier und Risikobereitschaft. Die Wissbegier vereint uns Lehrkräfte. Diese gilt es, bei unseren Schülern zu erhalten.

Bei der Risikobereitschaft bzw. im Umgang mit Fehlern jedoch gehört noch viel geändert. Wenn ein Schüler sich angepasst verhält und Fehler vermeidet, gibt es gute Noten. Bei Fehlern gibt es schlechte Noten. In Silicon Valley ist man nach einem gescheiterten Start Up nicht gebrandmarkt, sondern erfahren.

Nachdem Schule, auf den einfachsten Nenner gebracht, die Beziehung zwischen Schülern und Lehrern ist, sind wir ja Lebensabschnittsbegleiter, Coach und Klagemauer zugleich. Darüber hinaus haben wir die Wissbegier durch Bildung aufrecht zu halten und durch eine profunde Ausbildung dafür zu sorgen, dass unsere Schüler Risiko richtig einschätzen können, um erfolgreiche Geschäftsmodelle entwickeln zu können – und zwar in jedem Fach.

 

Thomas Populorum ist Lehrer
und Vorsitzender der
BMHS-LehrerInnen im BSA OÖ.