#5 Eva-Maria Holzleitner – Individuelle Beratung als Gegenentwurf zu Zugangsbeschränkungen

Dr. Harald Stöger skizziert in seinem Debattenbeitrag den aktuellen Trend von Hochschuldiskussionen: Sogenannte „Orchideenfächer“ werden „als weitgehend perspektivlos eingestuft und bei der Vergabe von Budgetmitteln benachteiligt“. Dieser skizzierte Trend ist bedenklich.

 

Ich denke, es ist engstirnig, solche Fächer durch Kürzungen noch weiter in diese Ecke zu drängen, ja beinahe zu benachteiligen. Auch Studienplätze durch Zugangsbeschränkungen zu limitieren, halte ich für den falschen Weg, da der große Zuspruch durchaus auch für die Attraktivität und die Brisanz der Inhalte des Studiums stehen.

Der erste Schritt – vor der endgültigen Studienwahl – ist, sich vorab zu informieren, welches Studium an welchem Hochschulstandort überhaupt angeboten wird und welche Inhalte den eigenen Interessen und Zielen entsprechen. Da die Dichte des Angebots stetig wächst und viele ähnlich klingende, aber dennoch unterschiedliche Studien an Universitäten und Fachhochschulen unsere Hochschullandschaft befüllen, muss definitiv ein größeres Augenmerk auf die persönliche Beratung der künftigen Studierenden gelegt werden.

Große Informationsmessen, die österreichweit oder auch an einzelnen Hochschulstandorten angeboten werden, können einen Überblick verschaffen, sind aber ungenügend, wenn es um die individuelle Erkennung der Stärken und Interessen der angehenden Studierenden geht. Es braucht eine personenbezogene Beratung, die jede und jeder einzeln zur Orientierung und Unterstützung in Anspruch nehmen kann. So kann auch die Fokussierung auf einige wenige Studiengänge aufgebrochen und die gesamte Studienlandschaft Österreichs genutzt werden.

Mit Einzelberatungen können die spezifischen Talente der angehenden Studierenden besser erkannt und unterstützt werden. Wohingegen bei einer Limitierung der Studienplätze noch immer keine ausreichende Information angeboten wird, welche anderen Möglichkeiten oder Alternativen an Studienrichtungen es gäbe. Es gibt zwar bereits Angebote der individuellen Studienberatung in Österreich, aber noch in zu rudimentärem Ausmaß – teilweise sind sie zudem mit Kosten verbunden. Sollte aber nicht jede und jeder die Gelegenheit haben, über die eigenen Potentiale Bescheid zu wissen, um die Studienwahl frei danach richten zu können?

Zugangsbeschränkungen kosten angehenden Studierenden oftmals auch einfach nur Zeit, wenn man zum Beispiel nicht im Wunschstudium aufgenommen wird. Zeit, die man seit der Verkürzung der Familienbeihilfe bis 24 bzw. 25 Jahren als StudierendeR kaum mehr zu verschenken hat, da diese ohnehin schon sehr knapp bemessen ist. Die Mindeststudienzeiten sind teilweise – selbst ohne Nebenbelastungen wie ein oder mehrere Jobs, Familie oder ehrenamtliches Engagement – sehr schwer einzuhalten.

Ein weiteres Argument, lautstark gegen Zugangsbeschränkungen – wie sie aktuell auch an der Uni Wien für diverse Studien eingeführt werden – aufzutreten, ist die Vererbbarkeit von Bildung. Solange die Bildungschancen von Kindern maßgeblich von Bildungsweg und Einkommen der Eltern abhängen, sind Zugangsbeschränkungen eine weitere Hürde für jene Menschen, die unsere Unterstützung und unser politisches Engagement ohnehin am dringendsten benötigen.

 

Eva-Maria Holzleitner ist
SPÖ-Nationalratsabgeordnete und
studiert Sozialwirtschaft an der JKU.

(Foto: © Seda Aktas Erol)