#7 Karl Turecek – Zum Akademisierungswahn und der „Verzweckung“ junger Menschen

Bildung versus Ausbildung? Die Fragestellung erklärt sich aus jener Bildungs-Hierarchie, welche den zweifelhaften Akademisierungswahn befeuert (der wiederum durch fragwürdige Lohn-Spreizung zusätzlich unterstützt wird).

 

Parallel gerät aber auch der „breite Bildungsansatz“ in den Schatten jener bildungspolitischen Überlegungen, welche als Versuch der „Verzweckung“ junger Menschen für ökonomische Ziele kritisiert werden (was die These bestätigt, dass Schulen stets die jeweils aktuellen gesellschaftspolitischen Präferenzen abbilden).

Finnland als „Nr. 2“ im EU-Schul-Ranking erzielt maximale Erfolge mit einer „gemeinsamen Schule bis 16“ sowie einem zentralen bildungspolitischen Ansatz, in welchem auch praktische, kreative, ethische Dimensionen fundamental sind – abseits der stets interaktiven Wissens-Vermittlung. Nirgends in der EU sind Lehrer-Einstellungskriterien strenger als in Finnland, wo kaum zehn Prozent der Bewerber genommen werden – geschuldet der Erkenntnis, dass Bildungs-Vermittlung nahezu vollständig mit Pädagogen-Qualität korreliert! Aufgabe der Lehrer sei nicht lehren, sondern „das Lernen unterstützen“. Das ist das Credo der erfolgreichen Bildungsländer.

Gestriger Frontalunterricht gilt heutigen Bildungsforschern als „nicht mehr zielführend, weil beim bloßen Zuhören am wenigsten gelernt wird“. Der Gutteil dieser Erkenntnisse scheint nicht wahrgenommen oder ignoriert zu werden – was sich in PISA-Ergebnissen niederschlägt, obgleich dieses OECD-Ranking für viele als zweifelhaft gilt, weil es nicht Bildung, sondern Test-Stärke bewertet. Fakt ist (nicht nur) in Österreich aber: Es passiert hier eine missbräuchliche „Verwendung“ der hohen Schulen als Massenuniversitäten sowie die Ab- bzw. Nicht-Aufwertung der hervorragenden dualen „Ausbildung“ – ein seit vielen Jahren schwärendes Problem, welches in immer größerem Fachkräfte-Mangel den Ausdruck (verfehlter Bildungspolitik) findet.

Karl Turecek